Platzspitz 5.2.2026

Ich han e chlises Schiffli
un gang dämit an See
ich gib em dänn es Schüpfli
dänn fahrt s devo, Juhee

Der Platzspitz war einst ein wunderbarer Park hinter dem Hauptbahnhof mit verschiedenartigen riesigen Bäumen, mit zwei flachen Teichen, wo wir als Kinder unsere Spielzeugschiffchen ins Wasser stiessen, Enten fütterten auf den Treppen zur Limmat oder verbotenerweise ins Bett der Sihl hinab stiegen und Steine flach auf dem Wasser zum Hüpfen brachten. Im Rondell fanden gelegentlich noch Platzkonzerte statt und die Blasmusikkapellen zogen in ihren prächtigen Uniformen die Bahnhofstrasse hinauf zum Bürkliplatz und das Limmatquai wieder hinunter.

Am 5. Februar jährt sich die Platzspitz-Schliessung von 1992 wieder einmal. Der Park hat sich seit dem Drogendesaster nie vollständig erholt. Der Neubau des Landesmuseums zeigt dem Park eine hässliche Kehrseite, die Gitter zum Hof sind oft geschlossen und durch Anlieferungen verstellt. Der natürliche Durchgang auf der Sihlseite blieb dauerhaft durch Provisorien, Bauabschrankungen und schwere Gitter aus Zeiten der Totalschliessung gesperrt, ein verachteter Platz, eine schmuddelige Ecke. An das grosse Grauen und die enorme Zahl von Toten erinnert immer noch kein Mahnmal.

Im vergangenen Jahr zelebrierten Beamte und Honoratioren von Stadt und Eidgenossenschaft das 40 Jahre Jubiläum der Aidshilfe im Hof des Landesmuseums. Die Schwulenbewegung deklarierte sich als Speerspitze der damaligen Aufklärung und Humanismus. Es wurde komplett verdrängt, dass aus panischer Angst vor Ausgrenzung, Stigmatisierung und Schlimmerem die ebenso gefährdeten Drogenabhängigen aus der Zürcher Aidshilfe ausgeschlossen worden waren. Für die Junkies und ihre Probleme musste eine zweite Aidshilfe, die ZAP, gegründet werden. Am Jubiläum schien sich niemand über den Ort der Feier bewusst, aber genau da sind die Fixer massenhaft, jämmerlich und hilflos an Aids und anderem zugrunde gegangen. Im Teich ist einer bei Heroin-Überdosis durch Ertrinken gestorben. Im Rodell lagen sie auch in den kältesten Nächten sterbend unter Decken und Blachen auf einem fürchterlich stinkenden Haufen.

Vor 40 Jahren erklärte die Gesundheitsdirektion ein Spritzenabgabeverbot, widerrechtlich und ohne medizinische Grundlage. 360 Ärztinnen und Ärzte widersetzten sich den Behörden und der Abstinenzideologie der Psychiatrie. Epidemiologische Daten zeigen heute, dass mehrere Tausend Menschen einen vermeidbaren Tod gestorben sind.

Verdrängungen, Heuchelei und Falschinformationen im Umgang mit Drogenproblemen wurden nie beendet. Aus berechtigter Angst vor Stigmatisierung können die meisten Überlebenden der damaligen Katastrophe nicht dazu stehen, dass sie immer noch täglich Opioide brauchen. Eine Heilung gibt es praktisch nicht, aber man tut immer noch so als ob. Crack sei viel gefährlicher als Opioide, wird sogar von den zuständigen Fachleuten behauptet. Aber die Zahl der polizeilich erfassten Überdosierungen ist wieder auf fast 200 pro Jahr angestiegen. Fünfmal mehr Tote als im Unglück von Crans Montana, und niemand scheint das zu kümmern.

Anstatt endlich einen medizinisch sicheren, gesetzeskonformen Markt für die gefährlichsten Suchtdrogen zu entwickeln, bastelt man lieber weiter mit provisorischen Mitteln, die untauglich sind, einer erneuten Eskalation zu begegnen.