Dass nicht nur der Mensch, sondern die ganze Welt das Resultat eines Zufallsprozesses sein kann, dessen Regeln wir nur unzureichend verstehen, ist kränkend und verstörend. Gott würfelt nicht, hat Albert Einstein verzweifelt ob der Unschärferelation ausgerufen. Ob die Welt determiniert ist oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Ohne Betrachter gibt es vielleicht einen Raum, aber kein vorher und nachher. Die Zeit erscheint nur dem unbedarften Physiker umkehrbar. Kein Versuch kann unter wirklich gleichen Bedingungen wiederholt werden.
Sigmund Freud hat wohl nicht als erster die Kränkung der Menschheit durch Charles Darwin festgestellt. Die Kränkung bestand aber nicht so sehr in der Abstammung des Menschen vom Affen, als darin, dass der Mensch zum Resultat eines regelhaften stochastischen Prozesses wurde. Im darwinistischen Prozess kann sich der Mensch immer noch als König der Welt fühlen, wie er sich schon abrahamitisch als Krönung der Schöpfung sah. Aber nach Darwin kann der Mensch jederzeit als untaugliches Resultat von der Evolution eliminiert werden.
Entweder Du opferst Dich der Wahrheit oder dem Glauben und der Spiritualität. Die Einheit des Objektiven mit dem Subjektiven ist wie bei Baruch Spinoza[1] notwendig, rational und richtig, genauso wie ihre unerbittliche Trennung seit René Descartes. Ganz offensichtlich sind wir sowohl Objekt unseres Denkens als auch Subjekt in unserer Existenz. Die kartesische Trennung lässt sich rational nicht widerspruchsfrei bis zur Unendlichkeit durchhalten. Aber kann die Einheit von Subjekt und Objekt wahrhaft und existentiell erreicht werden, wie Spinoza behauptet? Kein Mensch hat irgend eine Unendlichkeit je erreicht, weder im Grössten noch im Kleinsten. Gott bleibt ewig verborgen und seine Unendlichkeit ist für den Menschen nicht erreichbar.
Du sollst Dir kein Bildnis machen, ist eine Aufforderung die Welt zu erfahren und zu erkunden.
[1] Wie Spinoza fussend auf Moses Maimonides feststellte